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Eine junge Frau läuft in tanzendem Schritt auf der Strasse und biegt langsam in den Aurikelweg, vor ihr steht ein kleines freundliches Haus, es grüßt sie eine weiße Tür mit einem Fenster-Guckloch wie auf einem Schiff, das sie tragen will. Wohin? Sie klingelt vorsichtig und gleichzeitig entdeckt sie einen neugierigen Blick der in ihre Augen fällt. Aus einem Raum, den sie schemenhaft erkennt, nähert sich eine Frau, deren Lächeln sich schnell und einladend in ein wiedererkennendes Lachen verwandelt.In den Flur getreten atmen beide und tauschen eine Umarmung und Worte aus, gemeinsam wandern die zwei strumpfigen Fußpaare in den sich anschließenden Raum und treffen auf einen Kreis von Füssen, die sich ausruhen, sprechen, bewegen und einfach da sind. Der Raum ist hell, mündet in eine Küche, in der es nach Brot riecht, das in der Wärme des Ofens auf das Essen nach dem Zusammensein wartet. Aus dem Garten ruft ein Vogel und macht auf die Wirklichkeit und den Wind aufmerksam, der die Gardinen schüttelt. Eine der Frauen summt und pfeift vor sich hin, werkelt an einem Instrument und an der Anlage, sortiert ein paar Noten...eine andere sucht nach Streichhölzern für die afrikanisch-bunten Schwimmkerzen, die sich ein paar Momente später auf der Wasseroberfläche der großen Glasschale begegnen dürfen. Nach einem Plausch, ein paar neu eintretenden Fußpaaren, einer warm-belebten Stimmung, tritt langsam Stille ein.Ein Musikstück öffnet den Raum und Hände, Füße, wie Atem werden ruhig... Die junge Frau ist in unsere Berliner Kommunität der Missionsärztlichen Schwestern in Marzahn-Hellersdorf gekommen. Sie ist assoziiertes Mitglied und schließt sich wie ein paar andere Frauen hier an den Samstagen unserer Frauen-Liturgie an. Das jeweilige Thema ergibt sich aus den Impulsen der Gruppe und wird vorher von den verschiedenen Mitgliedern und auch Gästen frei und kreativ vorbereitet. Spiritualität als entscheidender, kraftgebender und verbindender Aspekt von ganzheitlicher Heilung wird von uns allen gestaltet sowie von dem uns umgebenden Raum geprägt. Unsere Präsenz seit 1992 im Ostteil der Stadt Berlin bedeutet Konfrontation mit jüngster Vergangenheit sowie mit Fragen, Zweifeln und Wunden, die Menschen in sich tragen. Mehr als 90 Prozent der in unserer Umgebung lebenden Menschen sind nicht konfessionell gebunden. Gemeinsam mit Marzahn-Hellersdorf nehmen die Stadtteile Hohenschönhausen und Friedrichsfelde in der jüngsten Sozialanalyse in fast allen Bereichen einen der letzten Plätze ein. Armut, Einsamkeit und verschiedene andere Formen von Gewalt als Ausdruck einer sich weitenden Schere zwischen arm und reich sowie als unübersehbare Folge eines neoliberalen Wirtschaftssystems, erleben viele Menschen hier als Grenze einer freien Entfaltung. Wie können wir unseren Alltag mit dem der Menschen hier verbinden und dabei helfen ihm gemeinsam eine lebendige Farbe und schöpferische Kraft zu geben? Wie sieht hier unsere heilende Präsenz aus? Professionell drückt sich die Verbindung von Spiritualität und Heilung in unseren verschiedenen spirituellen und psychologischen Angeboten aus : Ganzheitliche Heilungsangebote Mit dem Schwerpunkt für sozial benachteiligte Frauen in Lebenskrisen bieten wir in unserer Lebensberatungsstelle fachliche Begleitung an. Musik- und Gestalttherapie; Logotherapie und Existenzanalyse sind wesentliche Elemente und Therapieformen, mit denen wir arbeiten. Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die therapeutische Begleitung von Suchtmittelabhängigen durch Gespräche, Psychodrama und Theatergruppen. In Form von sozialtherapeutischer Begleitung und Förderung der Selbständigkeit von Gehörlosen, sowie durch Zahnmedizin u.a. medizinische Berufe kommen wir unserer Mission nach, den Menschen in seiner körperlich-seelischen Ganzheit zu begreifen, zu begleiten und zu unterstützen. So zeigen wir z.B. durch Körperarbeit und Seminare wie Heilende Klänge, Qi Gong, Meditatives Malen etc. alternative Heilungswege auf, die sich sowohl an Hilfesuchende als auch an Menschen richten, die in verschiedenen Heilberufen tätig sind.So bieten wir in unseren zwei Gruppen in Marzahn / Hellersdorf Raum und Zeit für spirituell suchende Frauen in Form von liturgischen Angeboten. Der von uns gelebte und religiös umfassende wie offene Begriff der Schöpfungsspiritualtät bezieht sich auf eine Liturgieform in einer Gender gerechten Sprache mit frauenspezifischem Schwerpunkten. Wir bieten Exerzitienbegleitung an und möchten über künstlerische Impulse und Angebote die Musik als spirituellen Erfahrungsraum spürbar machen sowie die eigenen musikalischen Potentiale in der Person fördern. Die AG Therapie und Spiritualität in Berlin/ Brandenburg ist ein ökumenisches Angebot. ... Als die Musik langsam verklingt, eröffnet eine der Schwestern mit ein paar Worten die heutige Liturgie. Thema ist die Frau als Hexe. Was ist eine Hexe, wann und wo wurden Frauen als Hexen verfolgt, woher kommen der negativ besetzte Begriff und die Angst vor einer Weisheit, die diese Frauen besaßen? Warum wurde Heilkräuterkunde als Offensive gegen den christlichen Glauben und die Institution Kirche verstanden, warum war die Verbindung von Mensch und Natur über diese Riten ein Sakrileg? Welches Frauenbild versteckt sich hinter der Hexenverfolgung und wie erlebe ich mich, meine Spiritualität und meine Rolle als Frau in der heutigen Gesellschaft? Ein informativer Text gibt der Runde erste Impulse. In der Mitte auf einer der Seiten, die vor der Liturgie ausgeteilt wurden, befindet sich ein Bild. In Begleitung einer nachdenklich stimmenden Musik schauen wir das Bild, Farben, Bewegung und Linien an. Eine Einladung zum Austausch über das Gelesene, Gehörte und Gesehene führt die einzelnen Gedanken in Form von Worten langsam zusammen. Mitteilen und Zuhören, Ausdruck und Fragen versammeln sich in der Mitte zu einer lebendigen Skulptur. Jede Frau bringt ihre Geschichte, ihre Sichtweise und ihre Erfahrung in die Runde. Alles wird angeschaut, nichts wird bewertet. Woher kommen wir und wie integrieren wir das Thema in unsere aktuelle Wirklichkeit und den uns umgebenden Raum? So wird unser Leben Gebet. Gestaltung von interkulturellem Dialog zwischen Ost und West Wir möchten über unsere Lebensweise und Arbeit eine Brücke zwischen Ost und West schlagen, sowie interkulturelles Zusammenleben zwischen Deutschen aus Ost und West gestalten. Empowerment, das heißt, stärken von Hoffnung und aktivieren von Kreativität bei allen Menschen und in allen Gruppen mit und in denen wir wirken, ist eines der wichtigen Ziele unserer Arbeit. Engagement für soziale Gerechtigkeit Wir arbeiten in Organisationen wie Oikokredit, WEED, Südwind mit und engagieren uns bei der Pax Bank für Ethisches Investment. Ebenso entscheidend für unsere Mission der Heilung ist die Mitarbeit in kirchlichen Gremien wie im Pastoralrat, in der Frauenkommission, im Verein Frauenseelsorge in den deutschen Bistümern, im Ökumenischen Forum Christlicher Frauen in Europa, im Ökumenischen Rat des Erzbistums Berlin, in verschiedenen Ordensgremien und Veranstaltungen, im Diözesanvermögensverwaltungsrat sowie das Engagement in der evangelischen und katholischen Gehörlosengemeinde. Offene Kommunität Wir, die Missionsärztlichen Schwestern, verstehen uns als eine offene Kommunität. Das bedeutet, dass sowohl die Integration von kanonischen als auch assoziierten Mitgliedern sowie die Einbindung von Frauen aus anderen mittel- und osteuropäischen Ländern möglich ist. Die Pflege eines eigenen und gemeinsamen Freundeskreises ist uns sehr wichtig. In regelmäßigen Abständen treffen sich unsere Berliner Gruppen zum Austausch über die Verwirklichung der erwähnten Ziele im Leben jeder Einzelnen. So laden wir Sie / Dich herzlich ein, uns, unser Leben, unsere Mission und Arbeit, unsere Orte und unsere Spiritualität kennenzulernen und mit uns zu teilen. ... Einige Abschlussworte rufen die Gedanken der Einzelnen zusammen und laden in den Abend ein. Das Brot im Ofen beginnt sich zu strecken und zu wärmen, die Füße der einzelnen Frauen ertasten den Boden neu, Stimmen verbinden sich zu einer lebendigen Melodie, Stühle werden gerückt und Geschirr klappert. In seiner Vielfalt wird nach der Liturgie Begegnung gefeiert, ein Lachen rutscht durch den Raum und hält sich an den Frauen fest, schüttelt sie und lädt zur Bewegung ein. Erst eine ganze Zeit später öffnet sich wieder die weiße Schiffstuer und lässt eine Frau nach der anderen in die Nacht entschwinden. Mit der Aussicht auf ein Treffen, eine Liturgie, einen gemeinsamen Termin, eine Veranstaltung, ein Telefonat oder einfach mit einer Umarmung verabschiedet sich jede von jeder und trägt die aufgenommenen Ideen in ihre Welt. Die junge Frau steigt in das Auto einer Freundin ein und hält das Bild aus der Liturgie in der Hand. Angekommen in ihrer Wohnung hängt sie das Bild auf, Erinnerung, Erlebnis und Aufforderung an sich selbst, ich zu sein. Unsere Adresse : Missionsärztliche Schwestern Missionsärztliche Schwestern
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